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Gründliche Planung für närrische Witzigkeit

Büttenredner der WFG feilen mit Koordinator Roland Bräutigam an frechen und pfiffigen Reimen
Von Ute Plückthun
BAD WIMPFEN
Der Jogginganzug ist unterwegs. In Pink-Samt und sicherheitshalber in drei Variationen. Nichts darf zwicken oder schlabbern. Immerhin soll sich Kathrin Schmaler als Cindy von Marzahn darin pudelwohl fühlen. Wie ein Wasserfall sprudeln beim Stammtisch der Büttenredner weitere Einfälle. „Ich könnte sagen: Eigentlich wollte ich vor Weihnachten noch abnehmen“, sagt die Programmchefin schnoddrig und ganz auf ihre Rolle fixiert. Angesichts der Sitzungstermine stutzen ihre närrischen Mitstreiter, dann begreifen sie lachend: Mit elfmonatiger Vorlaufzeit kommt der Witz des Berliner Wonneproppens besonders gut.
Ideenfindung bei Roland Bräutigam: Beim Koordinator der Büttenredner laufen die Fäden für die sprachlichen Speerspitzen, findigen Finessen und dynamischen Drehungen für die Mottoshows zusammen. Seit der vergangenen Kampagne übt der Ehrensenator, der selbst sieben Jahre für die Wimpfener Faschingsgesellschaft in die Bütt gestiegen ist, das Amt aus.
Nobel-Dobel
Kathrin Schmaler alias Cindy, Nobel-Dobel Markus Weyhing und Lars Ruoff als „Jusuf“ unter einen Hut zu bringen, macht ihm sichtlich Spaß. Auch mit den Suddehopfern Martin Oehler und Jan Teschler, die als alte Hasen nur ab und zu beim Stammtisch dabei sind, klappt die Abstimmung.
Akribische Planung ist erforderlich. Zwischen dem Büttenkoordinator und Programmchefin Schmaler fliegen in der kreativen Findungsphase die Infofetzen hin und her. Zeitungsartikel und Fernsehberichte, Karikaturen und Kommentare dienen als Inspiration. Um möglichst aktuell zu sein, wird ihre politische Bütt rund um unberechenbare Regenten mit Diktatorenanstrich, britischen Dauerbrexit, Volks- und Extremparteien oder sonstige Katastrophen „auf den letzten Drücker“ entstehen. 150 weiße Brillen mit dem Aufdruck „Wimpfener Faschingsgesellschaft“ und 50 zusätzlich mit „Jusuf“ sind in der Mache.
Passend zu Lars Ruoffs Vorhaben, als Mallorca-Helmut unter die Leute zu gehen und sich als Türke über die Gepflogenheiten im 17. deutschen Bundesland zu wundern. Für Markus Weyhing, zum dritten Mal als Symbolfigur des schelmischen Nobel-Dobels dabei, bietet sich in Bad Wimpfen reichlich Stoff für den dialektal-närrischen Fingerzeig. Etwa zur verpeilten Bahnhofsschranke am Gleis zwei oder dem dritten Blitzer, zum Kneipensterben, dem im Christo-Stil verpackten Blauen Turm und dem schiefen Freibadturm à la Pisa.
Mitsingen
„Ghostwriter“ Bräutigam kann aus dem Vollen schöpfen. Der Druckauftrag für insgesamt 2000 Tischfähnchen mit dem Refrain für das Lied des Nobel-Dobels ist erteilt. Schließlich soll das Publikum textsicher zur Melodie der Schwäb’schen Eisenbahn mitträllern können: „Dalmarkt, Flädle, Butterbräzzä, Weihnachtsmarkt un’ Soß’ mit Spätzle, Blauer Turm un’ d’Mühl im Tal, des macht Wimpfe so genial“.
 
 
Bildinformation: Programmchefin Kathrin Schmaler (von rechts), Büttenredner-Koordinator Roland Bräutigam, Markus Weyhing und Lars Ruoff.Foto: Ute Plückthun
 
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